Gefährlicher Kreuzotterbiss – ein Fallbericht

Anfang September 2023 genoss Herr S. (62 Jahre), ein erfahrener Jäger und Naturfreund, mit seiner Frau den Sommerurlaub im Norden Dänemarks. Nach einem entspannten Tag am Strand von Skiveren machten sie sich auf den Rückweg zum Wohnwagen. In Sandalen unterwegs, trat Herr S. auf einem schmalen Weg unbedacht einen Schritt zur Seite – ein plötzlicher, stechender Schmerz durchfuhr seine Ferse. Es fühlte sich zunächst wie ein Wespenstich an. Seine Frau reagierte gelassen und meinte, er solle sich nicht so anstellen.

Habitat von Kreuzotter

Direkt hinter dem Strand beginnt das Habitat der Kreuzotter.

Bei einer genaueren Untersuchung der betroffenen Stelle entdeckten sie vier kleine Einstichlöcher, was zunächst für Verwirrung sorgte. Der Schmerz nahm zu, doch Herr S. entschied sich, das Ganze zu ignorieren. Nach dem Motto: "Es wird schon nicht schlimm sein." Also kehrten sie zum Wohnwagen zurück und fuhren zum Einkaufen in einen acht Kilometer entfernten Ort.

Während des Einkaufs setzte plötzlich ein starker Harndrang ein, begleitet von zunehmenden Schmerzen. Das Gehen fiel ihm immer schwerer. Ein flaues Gefühl breitete sich aus, und ein unbestimmter Drang, einen Arzt aufzusuchen, wurde immer stärker. Doch es war Freitagnachmittag, und die niedergelassenen Ärzte hatten bereits geschlossen.

Zurück am Wohnwagen, zwei Stunden nach dem Biss, begann seine Zunge anzuschwellen. Nun wurde die Lage ernst. Sie entschieden sich, ins Krankenhaus zu fahren – die nächste Klinik lag 32 Kilometer entfernt. Ein Rettungswagen war nicht sofort verfügbar, sodass seine Frau die Fahrt übernahm. Nach fünf bis sechs Kilometern verschlechterte sich sein Zustand drastisch. Sein Kreislauf kollabierte, ihm wurde schwarz vor Augen, und er war kaum noch ansprechbar.

Benommen erreichte er die Notaufnahme des Regionshospital Nordjylland in Hjørring. Dort wurden sofort Blutwerte und Vitalzeichen kontrolliert. Die Ärzte standen in enger Rücksprache mit der Giftnotrufzentrale. Ein Gegengift wurde zwar bestellt, jedoch nicht verabreicht. Stattdessen erfolgte eine engmaschige Überwachung für acht Stunden in der Notaufnahme. Die Schmerzen waren unerträglich – schlimmer als alles, was er je erlebt hatte.

Nachdem sich sein Kreislauf stabilisiert hatte, wurde er auf die Normalstation verlegt. In der Nacht schwoll sein Bein massiv an. Dennoch konnte er am Folgetag entlassen werden, da sein Kreislauf stabil blieb. Die Ärzte warnten jedoch: Die Heilung würde sich über Monate hinziehen.

Tatsächlich breitete sich die Schwellung in den nächsten Tagen bis zum Oberschenkel aus, begleitet von einem großflächigen Hämatom. Drei Monate lang war er auf Gehhilfen angewiesen. Noch zehn Monate nach dem Biss hatte Herr S. Schmerzen bei Belastung und ein Kribbeln im Bein. Solche langwierigen Heilungsverläufe sind nach einem Kreuzotterbiss nicht ungewöhnlich.

Schlangenbiss

Bissstelle zweier Bisse.

Folgeschäden eines Schlangenbisses

Ausgeprägtes Hämatom, das sich im Verlauf der folgenden Tage bildete.

Die Wundmerkmale deuteten darauf hin, dass es sich um eine junge Kreuzotter handelte. Jungtiere können die Menge des injizierten Giftes nicht kontrollieren, was die heftige Reaktion erklärte. Vermutlich war Herr S. versehentlich auf die Schlange getreten.

In der versorgenden Klinik werden jährlich etwa zehn Patienten mit Schlangenbissen behandelt. Rückblickend erkannte Herr S., dass er beinahe alles falsch gemacht hatte, was man in einer solchen Situation falsch machen kann. Wäre er ruhig geblieben und hätte sofort den Rettungsdienst gerufen, hätte sich der Verlauf vermutlich abmildern lassen. Für die Zukunft nahm er sich fest vor, in einer ähnlichen Lage sofort professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und jegliche unnötige Bewegung zu vermeiden.

Lerne hier das richtige Verhalten bei Schlangenbissvergiftungen!

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